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KIRCHE UNTERWEGS
der Bahnauer Bruderschaft e.V.
Im Wiesental 1
71554 Weissach im Tal

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KIRCHE UNTERWEGS

Inklusive Zirkuswoche der Evang. Kirchengemeinde Ötisheim und der KIRCHE UNTERWEGS

Zirkusdirektor Manfred Zoll

Ötisheim. März 2017. Die Zahl der Fakire im Enzkreis dürfte sich in überschaubaren Grenzen bewegen – könnte man meinen und wäre mit dieser Behauptung auf dem Holzweg. Denn die Jungen und Mädchen, die sich am Donnerstagnachmittag furchtlos über ein Brett mit langen, spitzen Nägeln oder ein Bett aus echten Glasscherben bewegen, haben soeben ihre Grundausbildung abgeschlossen. Neue Talente werden zeitgleich überall in der Erlentalhalle entdeckt. Durchschritten die Sechs- bis Zwölfjährigen den Eingang zur Halle beim Start der Aktion am Mittwoch noch als ganz normale Schüler, so werden aus ihnen im Lauf der nachmittäglichen Übungseinheiten Artisten, die mit Tellern, Bällen, Diabolos und Bändern in der
Luft herumwirbeln, Akrobaten auf Drahtseil, Brett und Kugel, Zauberer und weitere Zirkuskünstler, die in ihren Aufgaben aufgehen.

Ein Projekt der evangelischen Kirchengemeinde Ötisheim, das diese gemeinsam mit der "Kirche
unterwegs" aus Unterweissach durchführt, ermöglicht die Wandlung. Ein Zirkuspädagoge sowie ein Team aus knapp 40 Betreuern aus der Kirchengemeinde feilen an den Darbietungen. Den Beginn derÜbungsnachmittage markiert jeweils ein Anspiel zu einem Glaubensthema. Gott ist überall, auch in der Schwerterkiste, nehmen die Kinder am Donnerstag als für sie greifbare Essenz mit in den praktischen Teil.

Außergewöhnlich ist die Zirkus-Kinderbibelwoche aber nicht nur deshalb, weil sie biblische Inhalte und Zirkuskünste vereint, sondern auch durch das Zusammenwirken von Kindern und Helfern mit und ohne Behinderung. Der inklusive Ansatz hat der Gemeinde bei der Premiere 2014 einen Preis des Landesbischofs beschert. Und auch dieses Mal funktioniert das Zusammenspiel: Ganz selbstverständlich hilft die spastisch gelähmte Mitarbeiterin Franziska den Nachwuchsfakiren dabei, die etwas zu anhänglichen Scherben von den Fußsohlen zu entfernen. "Die Kinder machen prima mit", lobt sie.

87 Teilnehmer überwiegend aus Ötisheim hat das Angebot angelockt. Die große Resonanz bestätigt die Gemeinde darin, mit ihrer Kombination aus Zirkus und Kinderbibelwoche den Nerv der jungen Generation getroffen zu haben. "Auf diese Weise locken wir mehr Schüler an, als wir es über eine normale Kinderbibelwoche geschafft hätten", sagt Pfarrer Markus Epting. Freilich könne ein derart zeitaufwendiges Projekt, das ein Dreivierteljahr an Vorplanung erfordere, nicht jedes Jahr auf die Beine gestellt werden. Die Teilnahme stehe Kindern aller Konfessionen und Religionen offen, wobei klar sei, dass der christliche Glaube eine große Rolle spiele. "Hier unterscheiden wir uns von anderen Zirkusprojekten", betont Markus Epting. Der Brückenschlag zwischen Bibel und Zirkus falle nicht schwer.
So entdeckten die jungen Artisten an sich unvermutete, unterschiedlich geartete Talente. "Jedes Individuum ist wichtig", benennt der Pfarrer die Devise, die nicht nur in der Manege, sondern auch in Glaubensdingen gelte.

Seine eigenen neu entdeckten Gaben spiegeln sich in seiner Kleidung wider: Als Fakir mit
federgeschmücktem Turban und blauer Pluderhose leitet Markus Epting seine jungen Kollegen beim Schlangenbeschwören und Nagelbrettüberqueren an. Mut, Einsatzbereitschaft, Ausstattung: Alles ist vorhanden. Nur an einer Stelle sieht der Trainer noch Verbesserungspotenzial: "Wir sollten versuchen, dass das Ganze am Ende etwas dramatischer aussieht." 400 Gottesdienstbesucher haben sich 2014 zur Premiere eingefunden, und von einer ähnlichen Zahl geht Markus Epting jetzt wieder aus. Sie dürften sich auf ein Anspiel zu einer biblischen Geschichte, Lieder, Gebete und selbstverständlich die Zirkusnummern freuen.

Quelle: Mühlacker Tagblatt vom 6.3.2017, Carolin Becker