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Doppelkarte "trauern"

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Produktinformationen

Wer trauert, bejaht das Leben

„Alles hat seine Zeit“, heißt es in der biblischen Weisheitsliteratur. „Geborenwerden hat seine Zeit, Sterben hat seine Zeit, Pflanzen hat seine Zeit, Ausreißen hat seine Zeit“, so lesen wir in Prediger 3,2. Besonders deutlich wird uns das, wenn wir Abschied nehmen müssen – wenn ein nahestehender Mensch stirbt, wir ihn beerdigen und um ihn trauern.
Doch nicht nur von Menschen müssen wir uns verabschieden. In unserem Leben hat alles seine Zeit, und jeder Übergang kann schmerzhaft sein. Mit dem Neuen kommt nicht nur Aufbruch, sondern auch Verlust. Wir lassen Liebgewonnenes und Vertrautes zurück: wenn Verpflichtungen im Berufsleben Freiheiten ablösen, wenn Kinder geboren werden und den Lebensrhythmus prägen, wenn sie das Elternhaus verlassen oder wenn mit dem Ruhestand neben der Entpflichtung auch ein Gefühl des Bedeutungsverlustes einhergeht.

Das Gefühl des Abschieds heißt Trauer. Je weniger wir uns auf das Neue freuen können, desto stärker empfinden wir den Verlust. Am tiefsten trifft uns das beim Tod eines geliebten Menschen. Doch auch mitten im Leben kennen wir diese Erfahrung. Der Schmerz kommt nicht gleichmäßig. Manchmal bricht er wie eine Welle über uns herein – überraschend und überwältigend. Kaum ist eine Welle verebbt, folgt die nächste. Trauer verläuft nicht geradlinig; sie kommt und geht. Versuchen wir, sie zu verdrängen? Oder geben wir ihr Raum?

Im Johannesevangelium wird von einem solchen Moment erzählt: Ein Freund Jesu war gestorben – Lazarus. Als Jesus zur Trauergemeinschaft kommt, begegnet er einer aufgelösten Gesellschaft. Johannes beschreibt die Szene eindrücklich:
Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Leute weinten, die sie begleiteten. Da war er im Innersten zornig und tief erschüttert. Er fragte: »Wo ist sein Grab?« Sie antworteten: »Herr, komm und sieh selbst!« Da brach Jesus in Tränen aus.
Johannes 11, 33-35

Der Verlust und die Trauer der Menschen erschüttern Jesus zutiefst. Seine Betroffenheit und sein Schmerz wird sogar zum zornigen Aufbegehren gegen den Tod. Und schließlich weint er. Lazarus, mitten aus dem Leben gerissen – und Jesus steht vor seinem Grab.
Dieser Ausschnitt aus einer größeren, tiefgründigen Geschichte ist für mich bedeutsam. Er zeigt: Gefühle zu haben, sie zu zeigen und ihnen Raum zu geben, ist wesentlich. Auch die Trauer – samt der Aggression, die im Trauerprozess ihren Platz haben darf. In solchen Momenten helfen keine vorschnellen Vertröstungen nach dem Motto: „Hab dich nicht so, es kommt doch etwas viel Besseres.“ Der Verlust ist real. Der Schmerz ebenso. Und wenn er wie eine Welle kommt, darf er uns auch einmal erfassen, ohne dass wir uns dafür schämen müssen.

Die Hoffnung, dass nach Karfreitag Ostern kommt, dass wir als Christen die Auferstehung erwarten, hat ihren Platz. Ja, sie tröstet. Doch sie nimmt dem Abschiedsschmerz nicht seine Berechtigung. Sie verkürzt ihn nicht, sondern stellt ihn in einen größeren Zusammenhang. Sie gibt der Trauer ihre Zeit – nicht nur im Todesfall, sondern bei allem, wovon wir uns im Leben verabschieden müssen.

Trauern darf sein. Wer trauert, misst dem Leben Wert und Bedeutung zu. Lassen wir unsere Gefühle zu und geben wir ihnen Raum. So können wir sie durchleben – und uns zu gegebener Zeit wieder der Zukunft zuwenden. Denn alles hat seine Zeit und seinen Raum: der Abschied und der Neuanfang, das Leben im Hier und Jetzt mit seiner Begrenztheit – und die christliche Hoffnung auf die Ewigkeit.

Friedemann Heinritz


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