Doppelkarte mit biblischen Impuls zum Weitergeben oder als Andacht zu verwenden.
Dankbarkeit beflügelt
An Silvester oder einem Geburtstag blicken viele Menschen auf das vergangene Jahr zurück. Ein Jahr voller Ereignisse – in der Welt und im eigenen Leben. Schönes und Schweres lagen oft dicht beieinander: Abschied und Neubeginn, Niederlagen und Erfolge, Krankheit und Heilung, Angst und Bewahrung.
Die schweren Erfahrungen prägen sich meist tiefer ein als die guten. Sie fordern Aufmerksamkeit, rauben Kraft und verstellen den Blick. Konflikte überlagern die Erfahrung von Begleitung, Sorgen verdrängen Leichtigkeit, Stress lässt die Erinnerungen an unbeschwerte Zeiten verblassen. So entsteht schnell das Gefühl, dass das Schwere überwiegt.
Doch Lebenszufriedenheit entsteht nicht allein aus dem, was geschieht, sondern auch aus dem Blick darauf. Entscheidend ist die Wahrnehmung: das halb leere Glas – oder das halb volle, das wir sehen? Sehe ich nur das Leidvolle – oder auch die Geschenke im Leben? Von diesem Blick hängt ab, wie sich das Leben anfühlt.
Der Beter des 103. Psalms kennt diese Gefahr. Deshalb ruft er sich selbst in Erinnerung, den Blick bewusst zu wenden – hin zu dem, was Gott schenkt:
„Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht,
was er dir Gutes getan hat.“
Psalm 103,2
Er zählt dann auf, welche Geschenke er von Gott empfangen hat: Vergebung, Heilung, Bewahrung, Zuwendung und Barmherzigkeit, tägliche Versorgung. Gott schenkt Leben – immer wieder neu. Wer das wahrnimmt, gewinnt Auftrieb wie ein Adler, der sich von der Thermik tragen lässt und über den Dingen schwebt, so Psalm 103 im weiteren Textverlauf.
Nach einer solchen Kraft, die einen abheben lässt, sehnen sich viele: nach Halt in schweren Zeiten, nach einer Stärke, die trägt, wenn die eigene Kraft nicht mehr reicht. Es ist Dankbarkeit, die beflügelt. Dankbarkeit ist die Thermik des Lebens. Sie ist der Aufwind, der trägt und nach oben zieht. Sie verwandelt Unzufriedenheit in Zufriedenheit. Sie lässt das Leben als Geschenk erkennen – trotz Not und Leid. Dankbarkeit führt dazu, dass Menschen sich in Gottes Fürsorge aufgehoben wissen.
Das Schöne ist: Dankbarkeit lässt sich lernen – durch einen bewussten Blick auf die hilfreichen und schönen Erfahrungen im Leben, auf die guten Gaben, von denen täglich gelebt wird. Ein Dankbarkeitstagebuch, in dem die positiven Erfahrungen des Tages festgehalten werden, kann helfen, neu zu entdecken, wie reich ein jeder beschenkt ist.
Wer Dankbarkeit einübt, verändert sein Lebensgefühl. Das Leben wird leichter, zufriedener und hoffnungsvoller. Darum lohnt es sich, eine dankbare Haltung einzuüben und auch für Selbstverständliches Danke zu sagen – Menschen gegenüber und Gott. Dankbarkeit verbindet, schenkt Nähe und verleiht Flügel.
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Friedemann Heinritz