Warenkorb leer

Wie wollen wir leben? Österliche Perspektiven

- 11. April 2021
Wie wollen wir leben? Österliche Perspektiven

Was passiert an Ostern? Von Manfred Zoll

In den letzten Tagen führte ich Gespräche mit zwei jungen Menschen, die auf jeweils ganz unterschiedliche Weise das Schicksal hart traf: sie waren beide noch klein, als der Vater starb – und die Mutter an Krebs erkrankte. Es war bewegend zu hören, wie sie mit ihrer jeweiligen Geschichte heute leben. 

In den letzten Monaten wurden wir ziemlich eingeschränkt. Alle haben Ihre eigenen Geschichten von persönlicher Not, Krankheit und einsamem Sterben, von Vereinsamung, existenziellen und finanziellen Nöten …

In so eine Situation hinein sagt einer: „Mir wird nichts mangeln.“ „Mir fehlt doch nichts. Ich hab doch alles.“ Und viele stimmen in diese Worte von Psalm 23 ein, obwohl ihre Welt keine heile Welt ist.

Ich erinnere mich an die Worte meines kranken Vaters auf einer nächtlichen Fahrt ins Krankenhaus vor einigen Jahren: „Ich hab doch ein schönes Leben gehabt.“ Diese Worte beeindruckten mich. Aufgewachsen als Halbwaise, bitterarmes Elternhaus, sechs Halb- und Viertelgeschwister, Krieg, Gefangenschaft … kleine Rente. Was ist „ein schönes Leben …“?

Wir erleben, wie Menschen andere mit Schuldzuweisungen überschütten: endlose Diskussionen, Medienberichte, Leserbriefe, Debatten überall … voller Vorwürfe und Streit darüber, wer versagt hat.

Ja, ich halte es für wichtig, dass Probleme analysiert und Fehler korrigiert werden. Aber ich will nicht mit dieser Zeigefingermentalität leben, die sich mit dem Gezeter selbst reinwäscht: „Versager! Schuldig! Dilettant!“

Ich will mich nicht damit zufrieden geben, dass wir dem alten Konzept huldigen: „Früher war alles besser.“ und darum so schnell wie möglich zurück in die Zeit vor „Corona“ streben. Ich gönne allen wirtschaftlichen Erfolg, intensives soziales Miteinander, erlebnisreiche Reisen …; doch ich glaube: es gibt kein Zurück auf Los. Wie wollen wir künftig leben?

Der kluge Satz aus dem Johannesevangelium (12,24) gibt eine Perspektive: „Das Weizenkorn muss in die Erde fallen und sterben, sonst bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht.“

Es tut weh, wenn man verzichten muss, wenn etwas vergeht, erstirbt wenn das Leben bricht. Das Weizenkorn allerdings macht es uns vor, wie aus dem Vergehen ein neuer Halm mit einer fetten Ähre wächst. Wie wollen wir leben: Lassen wir es zu, dass aus dem Schmerz, der sich nicht verdrängen lässt, etwas Neues wächst? Dürfen bei uns Fehler gemacht und zugegeben werden – oder steht man dann sofort am Pranger? Welche Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten werden vergehen müssen, damit etwas Neues wachsen kann?

Jesus war das Weizenkorn. Er gab sich hin für andere, für alle Welt, für uns. Diese Hingabe bedenken wir an Karfreitag. Sein Kreuz ist das Zeichen für Vergebung und Versöhnung, von Gottes Treue und Freundschaft. An Ostern feiern wir, dass aus dem zerbrochenen Leben etwas ganz neues hervorwuchs: „Jesus ist auferstanden!“ Neues Leben, Liebe ohne Ende. Das Leben geht weiter auf ganz andere und geheimnisvolle Weise. Diesseits und jenseits des Todes. So will ich leben und auf Karfreitag und Ostern zugehen. So will ich die reiche Frucht des Glaubens an den Auferstandenen ernten und teilen.

Photo by Tim Matras on Unsplash

Keine Downloads vorhanden
0