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Kleine Lichthöfe - Gedanken zum Advent

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Kleine Lichthöfe - Gedanken zum Advent

Aus einem bestimmten Blickwinkel betrachtet, könnte man diese Jahreszeit und Weltenzeit mit Fug und Recht als etwas eingetrübt bezeichnen. Auch wenn das Klima sich erwärmt und die Kassen selten süßer klingeln als in der Adventszeit, so ist rein jahreszeitlich bedingt der Tag relativ kurz. Und – auch im sprichwörtlichen Sinne –die steht Sonne sehr niedrig und verschwindet schnell wieder von der Bildfläche, als wolle sie das, was sie zu Gesicht bekommt, nicht länger mit anschauen. Nun stelle ich mir vor, dass vielerorts so etwas wie kleine Lichthöfe entstehen. Vergleichbar mit kleinen, schwimmende Inseln, die Hinterhöfe und Bushaltestellen, Straßenkreuzungen und Wohnzimmer, Amtsstuben und Klassenzimmer mal in diese, mal in jene Richtung durchqueren und erhellen. Die im grauen Dämmerlicht von vielerlei Verunsicherungen und gegen mancherlei im Brustton der Überzeugung geäußerte Halbwahrheiten eine leichtherzige Fröhlichkeit und gelassene Heiterkeit ausbreiten. Lichthöfe, an denen sich Menschen sammeln wie an kleinen Feuerstellen. Weil sie Wärme suchen und Licht, auch die Nähe zu anderen. Solche Lichthöfe oder Feuerstellen müssten natürlich Feinstaub und CO2-neutral sein, damit niemand sich bemühen müsste, dagegen anzuklagen und mit Verboten zu drohen.

Ja, ich wünsche mir Lichthöfe von leuchtender Wärme, heiterem Glanz und ausstrahlender Anziehungskraft. Ich glaube fest, dass sie allerhand finstere Gestalten abschrecken oder besser noch ins rechte Licht rücken, aber ansonsten Menschen anziehen werden, die eher im Graubereich ihrer Alltage unterwegs sind. Die Kraftquelle der adventlichen Lichtinseln sind nicht Steckdose oder Stromnetz wie bei den Lichterketten, die mit ihren aufgeregten Lichtspuren Heimeligkeit suggerieren, dabei lediglich ein je nach Lichttemperatur angenehmes oder eher grellweißes „Advent!“ hinausschreien, aber sobald der Stecker gezogen ist, wieder erlöschen. Ich denke an die Kraftquelle von Glaube, Liebe und Hoffnung, dieses unverwüstliche Trio, keineswegs schadstoff- oder klagefrei, aber bärenstark und verlässlich. Ich stelle mir vor, dass dieses Licht sich nicht unterkriegen lässt und gerade Menschen erheitert, die wenig zu lachen haben und denen kein noch so festlich illuminierter Tannenbaum ein Strahlen abgewinnen kann. Dieses Licht, gespeist aus Glaube, Liebe und Hoffnung wird Menschen, die sich davon anstecken lassen in solche Lichthöfe der Freude verwandeln und auch dann, wenn man den Stecker zieht, seine Funken überspringen lassen und sich ausbreiten zur Freude vieler Menschen und zur Ehre Gottes.  

Diakon Manfred Zoll, Weissach im Tal, Kirche Unterwegs

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