| Von Diakon Winfried Geisel, Nufringen
„Christ sein – im Glauben leben. Glauben heißt: Auf Jesus Christus vertrauen und in Verbindung mit ihm leben.“
„Christ sein – das Leben gestalten. Gott hat uns Verantwortung für die Schöpfung und das Zusammenleben der Menschen übertragen. Dazu hat er uns seinen Willen gezeigt und seine Gebote gegeben.“
Hinweis: Dieser Entwurf fasst zwei Themen des „Gesprächsimpulses“ zusammen – und kann von daher auch gut auf zwei Einheiten aufgeteilt werden. Auf der CD-Rom ist weiteres Material, das hier nicht abgedruckt ist.
Inhalt
1. Verlauf und Aufbau der Veranstaltung
2. Anspiel-Szene „Asylamt“
3. Vortrag
4. Anregungen für die Arbeit mit den Teilnehmern
5. Materialien
1. Verlauf
Dauer etwa 1,5 bis 2 Stunden.
Bitte auswählen, welche Elemente möglich und auf Grund der Rahmenbedingungen (Gäste, Größe der Veranstaltung, Zeit, Raum …) sinnvoll sind!
• Am Eingang des Veranstaltungsortes Begrüßung durch Mitarbeiter und Verteilen von Handzetteln zur Infoveranstaltung für Einwanderer
• Spielszene „Asylamt“
• Vortrag
• Gespräch, Gruppenarbeit (siehe Anregungen unter 4.)
• Musik, offener Ausklang, Getränke, Snacks, Gespräche …
2. Anspielszene
Deko: Amtszimmer, das durchaus ein „Willkommen“ ausdrückt.
Amtsperson: Warum wollen Sie Bürger dieses Landes werden?
Einbürgerungswilliger: Wo ich herkomme, geht es mir nicht gut.
Amtsperson: Das müssen Sie schon genauer definieren. Was heißt denn „geht es mir nicht gut“? Mir geht’s auch nicht immer gut.
Einbürgerungswilliger: Oh, ich fühle mich beengt, die Umstände in meinem Land rauben mir den Atem. Menschen leben voller Angst, sie sind ganz unsicher, was aus ihnen wird. Viele sind, wie ich, auf der Flucht. Wir haben zwar genügend zu essen, aber wir sind nicht frei. Sie haben ein großartiges Land, die Menschen in Ihrem Land sind frei.
Amtsperson: Das ist wahr.
Einbürgerungswilliger: In unserem Land herrscht Misstrauen. Jeder beäugt jeden. Man kann niemandem mehr vertrauen. In Ihrem Land begegnen sich die Menschen achtungsvoll.
Amtsperson: Na, wir sind’s doch auch wert.
Einbürgerungswilliger: In unserem Land, wo ich herkomme, da gilt meist nur der etwas, der sich über andere erhebt, der sich auf Kosten der einzelnen Menschen bereichert; in ihrem Land ist jeder wichtig und geachtet. In unserem Land muss jeder um Beachtung kämpfen, Anerkennung erhält man nur von sich selber. Den anderen ist man egal.
Wo ich herkomme, kann man nicht leben, ohne sich mit dem Diktator einzulassen, bei ihnen hier ist es anders. Sie haben eine Regierung, die wirklich am Wohlergehen jedes Menschen interessiert ist.
Amtsperson: Ah, so sehen Sie das. Danke für Ihre Ausführungen, sie werden wieder von uns hören. Auf Wiedersehen.
3. Vortrag: Im Glauben leben, „in Christus leben“
Freiheit und Menschenrechte er-leben
Anmerkung: Für die Zuhörer ist es hilfreich, wenn die einzelnen Überschriften auf einem Plakat oder mit Beamertechnik dargestellt sind.
Grenzüberschreitung in einen neuen Rechtsraum – „Land des Glaubens“
Wer in ein anderes Land einreist, die Grenze überschreitet, muss sich meist auch mit neuen Regeln und Gesetzen auseinandersetzen, die im neuen Land nicht ganz so sind, wie man sie vom bisherigen Wohnort kennt. Der Urlauber kennt das im Blick auf den Straßenverkehr. Unser Land garantiert das Grundrecht auf Asyl, weil den Vätern des Grundgesetzes bewusst war, dass nicht in jedem Land die Grundrechte der Menschen gelten; viele von uns kennen selbst noch das Leben mit eingeschränkten oder versagten Menschenrechten wie es in Diktaturen üblich ist.
Wenn wir nun versuchen den Ausdruck „im Glauben“ so anzusehen, als ob das eine Beschreibung für einen Ort wäre, können wir uns auch fragen, welche Rechte uns in diesem Land dann zugemutet oder zugestanden werden.
Im Land des Glaubens, wir können auch sagen „in Christus“, bestehen die eigentlichen Menschenrechte. Menschenrechte sind meiner Ansicht nach eigentlich Freiheiten, die mir garantiert werden.
Wer nun aus seinem bisherigen Lebensraum in das Land des Glaubens umzieht, dem werden einige ganz neue Freiheiten, Menschenrechte zugesprochen.
Das Recht auf Klarheit über die eigene Person
Der normale Lebensalltag stellt in den seltensten Fällen eine Herausforderung dar über den Glauben nachzudenken. Glaubens- und Lebensfragen stellen sich meist in kleineren oder größeren Krisensituationen. Dann aber bohrt die Frage „Wie lebe ich richtig?“. Einfacher könnte sie zunächst so lauten: „Was soll ich tun? Welche Handlungsspielräume habe ich?“
Unser Leben spielt sich stets in Beziehungen ab. Darum befassen sich die angesprochenen Fragen mit dem Umgang mit anderen Menschen, mit mir selbst oder mit Gott. Wie wir Menschen die Frage nach dem richtigen Tun für unser Leben lösen, bestimmt unsere Lebensqualität. Im „Land des Glaubens“ wird uns diese Lebensqualität zugesichert.
Gerade in den Situationen, die zum Fragen nach dem rechten Tun anregen, ist wahrscheinlich häufig (oder stets) die Frage der Schuld Auslöser für das Nachdenken. Schuld, die ich bei mir empfinde oder die ich anderen anlaste, weil sie an mir schuldig geworden sind; oder verantwortlich für Bedingungen sind, die mir oder anderen das Leben schwer machen.
Schuld als Bedrohung der Freiheit
Schuldig wird ein Mensch wissentlich, absichtlich oder unabsichtlich, und in vielen Fällen sogar unwissentlich. Schuld entsteht zum einen dann, wenn das Verhalten einer Person nicht dem Verhältnis und den Umständen entspricht. Zum andern kann auch Schuld bewusst in Kauf genommen werden, wenn die Situation erzwingt, dass sich die Hilfe für eine Person(engruppe) nachteilig für ein zweite Person(engruppe) auswirkt.
Schuldig ist im Sinne des Glaubens auch der Mensch, der sich von Gott abgewandt hat. Denn Gott hat die Menschen als Wesen geschaffen, die seine Kommunikationspartner sind. Ohne diese Kommunikation geht die Entwicklung des Menschen fehl. Es kann zu einer Suche nach Erlösung kommen, die leider ohne Gott nicht ihr Ziel erreicht. Eine weitere Möglichkeit ist die Selbstüberhebung, der ein Mensch erliegen kann.
weiter geht es in der Arbeitshilfe ...
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